HANDLUNGSFELD KULTURVERMITTLUNG

Wie wirkt Kulturvermittlung? Arbeiten in Spannungsfeldern 5:
Zwischen Vermittlung, Kunst, Dekonstruktion und Transformation

Kennzeichen der Vertreter*innen der Kunstvermittlung mit partizipatorischem und künstlerischem Zugang ist die Entwicklung von Kunstvermittlung zwischen pädagogischem, politischem und künstlerischem Handeln. Diese Bewegung der Kunstvermittlung entstand in den 1990er Jahren und grenzte sich von der auf Entwicklungspsychologie und Kreativitätstheorien basierenden Museums- und Kunstpädagogik ab. Kritisiert wurde und wird an diesem Zugang, dass Widerstände und Erkenntnispotentiale nicht wahrgenommen werden und es Ausschlussmechanismen gibt.

Es entstanden also Vermittlungsformate wie der Ansatz der ‚ästhetischen Bildung der Differenz‘, in dem Kunstpädagogik als eine Praxisform von Kunst verstanden wird. Darüber hinaus entwickelte sich das Feld der kritischen Museologie und der New Art History, welches die herrschenden Machtverhältnisse in Bezug auf Wissen und Art der Vermittlung sowie der Raumanordnung in Frage stellt und dekonstruiert. Das Museum soll zu einem Ort der Interaktion und Debatte gemacht werden.

Im 21.Jahrhundert fand ein sogenannter Educational Turn statt. Die Wissensökonimisierung im Bereich der Bildung und Ausbildung wurde kritisiert und es fand eine Suche nach alternativen Praktiken und Räumen im Bildungsbereich statt. Die Praxisebene dieses Educational Turns wäre beispielsweise ein Ausstellungsprogramm, das das Publikum zu einer mitgestaltenden Instanz erklärt. Weitere Praxisbeispiele sind Projekte, die historische Formen re-aktualisieren, selbstorganisierte Räume künstlerischer Bildung oder aber künstlerische Projekte, die die Bedingungen des Lernens untersuchen.

Problematisch ist, dass, obwohl es Überscheidungen gibt, das in der Vermittlung erlangte Wissen durch dekonstruktivistische und transformative Praktiken von Künstler*innen und Ausstellungsmacher*innen selten zur Kenntnis genommen wurde und wird. Dies lässt sich durch die bestehende Hierarchie zwischen den Feldern Kunst und Bildung erklären. Wünschenswert wäre ein gemeinsames Reflektieren und Entwickeln von Handlungsmöglichkeiten. Zudem wären Kooperationen auf Augenhöhe von größeren Institutionen mit kleinen Bildungseinrichtungen nicht nur ihrem sozialen und kulturellen Kapital zuträglich, sondern auch in Hinblick auf die Selbstreflexivität und das Fällen von bewussten und begründeten Entscheidungen von Vorteil.

Ein weiteres Spannungsfeld, nämlich das Agieren in Machtverhältnissen, beinhaltet die Frage nach Projektästhetiken im Feld von Kunst und Bildung. Die Ansprüche beider Seiten zu gewahren ist eine Herausforderung. Notwendigkeiten, Qualitätsansprüche und die Interessen in Bezug auf die Darstellung (können?) bei Kooperationen nicht immer übereinstimmen.

Aushandlungsprozesse sind aber auch mit den Partizipierenden notwendig. Davon, ein Vorabprofil der Beteiligten zu erstellen, sollte abgesehen werden. Stattdessen ist es produktiver gemeinsam mit der Gruppe eine Definition zu erstellen und deren eigene Positionen und Interessen gegenüber der Ausstellung/dem Museum herauszuarbeiten.

Fazit:
Die Überschneidungen der unterschiedlichen Teil-Disziplinen im Kunst und Kulturbereich sollten einen konkreteren Praxisbezug erhalten, jedoch besteht nach wie vor eine Hierarchie zwischen Vermittler*innen, Künstler*innen und Kurator*innen. Solange diese Machtverhältnisse zwar thematisiert, jedoch noch nicht überwunden sind, wird viel Potential im Bereich der gemeinsamen Wirkung von künstlerischem, kuratorischem und pädagogischem Wissen nicht ausgeschöpft. Die Anpassung der Strukturen und Kommunikationsprozesse innerhalb und zwischen den einzelnen Sparten ist dabei besonders hervorzuheben. Wenn Zugänge zu Kultur und Kunst auch aus der Sicht von partizipierenden Gruppen beachtet werden und der gemeinsame Arbeitsprozess an Konzepten im Vordergrund steht, eröffnen sich neue Möglichkeiten des kreativen Outputs. Die Gestaltung von neuen Formaten kann so zu einem breiteren Kunstverständnis helfen und auch Personengruppen ansprechen, die ansonsten schwerer Zugang zu diesem Bereich finden.

Wie denkt ihr, kann man ein Zusammenwirken auf Augenhöhe erreichen?

Braucht es ein Umdenken in der Ausbildung von Kurator*innen und Vermittler*innen?

Könnte das Zusammendenken der Bereich ein neues Berufsfeld ergeben?

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