DIGITALE KULTURVERMITTLUNG

Ich habe mich mit dem Text von Andrea Hausmann und Linda Frenzel; Kunstvermittlung 2.0: Konzeptionelle Überlegungen und empirische Ergebnisse beschäftigt.

Hier eine kurze Zusammenfassung der zentralen Inhalte und ein kurzes Fazit:

Kunstvermittlung + Kunstmarketing = Audience Developement

Kunstvermittlung orientiert sich stets an einer Organisation und ihrer „Business Mission“, beziehungsweise ihren Oberzielen. Das Zeigen von Zusammenhängen erfolgt dabei ganzheitlich und interdisziplinär und im Fokus der Vermittlungsarbeit steht ausdrücklich der/die Besucher*in.

Während Kunstvermittlung einen pädagogischen Bezug aufweist, steht das Kunstmarketing im Zeichen betriebswirtschaftlicher Interessen. In großen Kunstmuseen sind diese Bereiche ebenfalls oft getrennt und kommunizieren wenig miteinander, obwohl es von Vorteil wäre, dass Maßnahmen wechselseitig berücksichtigt werden. Auf diese Weise könnten auch im Feld des Besucher*innengewinnung Fortschritte gemacht werden. Während das Marketing Besucher*innen gewinnen und binden möchte, gilt es in der Kunstvermittlung neue Zielgruppen zu erschließen.

Im englischen Kulturbereich gibt es das sogenannte Audience Developement. Es ist ein interdisziplinäres, umfassendes und abteilungsübergreifendes Konzept, welches die Funktionen und und Zielsetzungen von Marketing und Vermittlung zusammenfasst und versucht zwischen der Kultureinrichtung und den Besucher*innen eine gefestigte Beziehung herzustellen.

(Neue) Medien der Kunstvermittlung

Beispiele für technikgestützte „Neue Medien“, deren Einsatz der Besucher*innenentwicklung förderlich sein können sind beispielsweise:

  • Social Networks
    • Facebook, Google+, YouTube, Twitter unterstützen die partizipative Aufbereitung multimedialer Inhalte. Dies fördert den Handlungsaufbau der Nutzer*innen und führt zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Kunstwerken.
  • Mobile Apps
    • erleichtern den Zugang zu Informationen, Videos ect…
    • QR-Codes oder auch Smartphoneguides können als zusätzliche Infomationsquelle/Ergänzung herangezogen werden. Des Weiteren kann Gaming mittels App-Spielen eingesetzt werden und zur Aufbereitung von Kunstwerken genutzt werden.
  • Geocaching
    • eine moderne Version der Schatzsuche mittels GPS-Sensor; findet vor allem in Naturkunde und Technikmuseen Verwendung.
  • Digital Storytelling
    • Zusätzlich zu den Informationen rahmt eine Geschichte die Inhalte der Ausstellung. Interaktive Handlungen erleichtern den Informationszugang
  • E-Publishing
    • Ausstellungskataloge, Textbeiträge aber auch Videos und Spiele können ergänzend zu den Ausstellungen verfügbar gemacht werden
  • Augmented Reality
    • externe Inhalte, auch andere Kunstwerke können für den/die Besucher*innen virtuell in den Ausstellungsraum transportiert werden

Ziele und Zielgruppen der Kunstvermittlung

Die erwähnten „Neuen Medien“ werden dazu genutzt Lernprozesse bei den Besucher*innen zu initiieren und motivieren durch ihre interaktiven, multimedialen Komponenten eine besondere Art der Partizipation.

Diskussion und Ausblick

Beim Einsatz jener Mittel sollten lediglich Faktoren wie die Art des Besuchs, die Motivation, das Alter, oder auch die Herkunft berücksichtigt werden. Das Alter ist dabei jedoch weniger stark relevant als zunächst angenommen, sodass auch über 50-Jährige bei ihrem Museumsbesuch von der Nutzung diverser Vermittlungstools 2.0 profitieren können.

Die Effektivität dieser „neuen“ Art der Kunstvermittlung wird auch durch empirische Studien nochmals unterstrichen, wenngleich ein Großteil der Befragten in der Studie von Hausmann und Frenzel soziodemografisch „vorbelastet“ im Sinne einer hohen Kunstverbundenheit auch im beruflichen Alltag waren. In der Kunstvermittlung kommen laut dieser explorativen Studie auch alle bereits genannten Vermittlungsformate vor, wenn auch in unterschiedlichen Verhältnissen. Insgesamt kann der Stellenwert „Neuer Medien“ als sehr hoch eingestuft werden. Um diese Strategien auch in Hinblick auf beispielsweise Barrierefreiheit abzusichern und zu erweitern, ist es notwendig, dass auch auf Ebene des Personals investiert wird und dahingehend die Besucher*innenentwicklung noch weiter gefördert werden kann.

Fazit:

Audience Developement mit den „Neuen Medien“ ist eine Strategie zur Besucher*innenentwicklung, die bereits Anklang und Anwendung findet. In Bezug auf die Vielseitigkeit der Neuen Medien kann festgehalten werden, dass Vermittler*innen gerne tiefer in die Trickkiste dieser Möglichkeiten greifen dürfen, da sich die bisher verwendeten Tool auf wenige Bereiche verstärkt konzentrieren. Auch Altersgruppen fern der Altersgrenze über 35 sollten bei der konzeptionellen Entwicklung dieser Formate mit gedacht und nicht außer Acht gelassen werden. Dies funktioniert jedoch vor allem auch denn, wenn die internen Strukturen der Kultureinrichtungen sich an diese „neuen“ Trends anpassen und Arbeitsplätze dahingehend aus-/und weiterbilden. Insbesondere darf auch hier nochmal hervorgehoben werden, dass „ein koordiniertes Vorgehen der beiden Bereiche Marketing und Vermittlung auch in diesem Handlungsfeld als sinnvoll erweisen würde…“.

Welche Vermittlungsformate mit „Neuen Medien“ habt ihr bei eurem letzten Ausstellungsbesuch verwendet?

Seht ihr diese Technologien als Ergänzung oder eher als fixen Teil des eigentlichen Kunstwerkes?

Bei welcher Art von Ausstellung ist die Verwendung dieser Vermittlungstool für euch sinnvoll?

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