MYTHOS VON THEUTH von qujOchÖ

Vorstellung eines Projektes

>>MYTHOS VON THEUTH ist das Brett- und Gesellschaftsspiel für Künstler_innen, Philosoph_innen und Götter. An der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft bietet es eine Untersuchung medientheoretischer Ideen von Platon, Gotthold Ephraim Lessing und Friedrich Nietzsche über Walter Benjamin und Marshall McLuhan bis hin zu Laura Mulvey, Sadie Plant und Donna Haraway.<<

Was nach außen hin recht trocken anmutet ist ein Brettspiel für bis zu sieben Personen, die durch das alte Athen wandern und unterschiedliche Medien sammeln. Dabei trifft man als Spieler*in auf Berühmtheiten der Medienphilosophie und erfährt so die Medienkultur von der Antike bis zur Gegenwart. Der Name des Spiels geht auf ein Zitat über die Erfindung der Schrift in Platons Schrift „Phaidros“ zurück:

„Diese Kunst, o König, wird die Ägypter weiser machen und gedächtnisreicher.“

Das Kollektiv qujOchÖ entwickelte mit MYTHOS VON THEUTH ein Brettspiel in dem die Vor- und Nachteile der Schriftlichkeit für das menschliche Gedächtnis diskutiert werden. Gemeinsam werden 12 Stationen bewältigt und es kommen Smartphones, Zeitungen, Legosteine, Schlafmasken, Briefmarken, Massagen, Schnäpse und andere Medien zum Einsatz, um dem von Platon überlieferten Mythos auf die Spur zu kommen. Wer es schafft, mit einer Mischung aus Strategie, Glück und Wissen den Auftrag am schnellsten zu erfüllen, wird am Ende als göttliches Medium verehrt!

Im Rahmen des ars electronica 2017 fand eine einmalige performative Aufführung des Spiels statt. Testspiele wurden während des Festivals von 7. bis 11. September vor Ort angeboten.

Eine DIY-Version des Spiels PHAIDROS, ist frei verfügbar und benötigt ca. 6 bis 7 Stunden zum Zusammenbauen. (pdf-Vorlagen stehen unter folgendem Link zur Verfügung: https://qujochoe.org/myth-of-theuth-templates).

Angesprochen hat mich bei diesem Projekt sofort der Titel und auch die Umsetzung einer Auseinandersetzung von alltäglicher Nutzung von Medien als Brettspiel. Dass bis zu sieben Personen das Thema Medien erkunden und macht es auch für größere Stammtische attraktiv. Ein kurzer Blick in die Spielunterlagen genügt um meinen Verdacht zu bestätigen, dass sich in diesem Spiel auch Elemente des Spiels Activity finden und die Benotung stark auf Interaktion und dem Diskurs untereinander liegt. Ein Kontrapunkt des Spiels ist für mich die Zielgruppe. Es werden wohl eher Medien-, Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen ihre Freude mit diesem Spiel haben und ich frage mich, inwiefern eine Person mit wenig Berührungspunkten zu den im Spiel vorkommenden Medientheoretiker*innen halte mitnehmen kann. Die Aufgaben sprechen stark die persönliche Ebene der Spieler*innen an und ich kann mir vorstellen, dass man schnell in den Spielverlauf hineinkommt und sich ein abwechslungsreiches Reflektieren einstellt. Lehrreich ist das Projekt auf jeden Fall, allerdings kann ich mir vorstellen, dass der zeitliche Aufwand dieses Projekts nicht gerade gering und mindestens mit einer Runde DKT zu vergleichen ist. Allein die Einarbeitung und Vorbereitung des Spiels stelle ich mir intensiv vor. Alles in allem gefällt mir der Ansatz über Medien und ihren Einfluss auf unser Denken und unsere Merkfähigkeit nachzudenken, da dieses Thema kaum ein Ablaufdatum und auch keinen finalen Gedanken beziehungsweise keine endgültige Schlussfolgerung zulässt.

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