Einladung: Symposium III „Künstlerische Interventionen“

Freitag, 06. Dezember 2013, 09:00-16:00

Symposium III: Künstlerische Interventionen und Kollaboration in antirassistischen und feministischen Vermittlungsprojekten

Freitag, 06. Dezember 2013, 9:00 – 16:00
Schwerpunkt Wissenschaft & Kunst
Programmbereich Contemporarary Arts & Cultural Production
Atelier im KunstQuartier (1st floor)
Bergstraße 12, 5020 Salzburg
www.w-k.sbg.ac.at/interventionen

Der letzte Teil der Symposienreihe „Künstlerische Interventionen“ (in englischer und deutscher Sprache) ist der Präsentation und Diskussion von Vermittlungsprojekten gewidmet.

Als Gäste begrüßen wir:
Marianne Guarino-Huet & Olivier Desvoignes (microsillons, Genf), Elke Smodics-Kuscher (trafo.K, Wien), AntikultiAtelier (Zürich), Hansel Sato (Wien)

Programm
09.00-09.30 microsillons: Marianne Guarino-Huet and Olivier Desvoignes, (Geneva): Voices on Voice (in English)
09.30-10.00 trafo.K: Elke Smodics-Kuscher (Wien): So kompliziert wie Situationen sind: Temporäre Eingriffe im Spannungsfeld zwischen Verunsicherung und Ermächtigung (in Deutsch)
10.00-10.30 Pause
10.30-11.00 AntikultiAteliers (Zürich): in|ter|ve|nie|ren: eingreifen, sich einmischen, unterbrechen, dazwischenfunken, protestieren (in Deutsch)
11.00-11.30 Hansel Sato (Wien): „heimlich, still und laut“ Vermittlungsstrategien im Bereich des Medienaktivismus zur Dekonstruktion von sozialen Codes (in Deutsch)
11.30-11.45 Pause
11.45-12.30 Workshops:
Workshop A: microsillons: Voices on Voice (in English)
Workshop B: AntikultiAteliers: in|ter|ve|nie|ren: eingreifen, sich einmischen, unterbrechen, dazwischenfunken, protestieren (in Deutsch)
Workshop C: trafo.K und Hansel Sato: Strategien für Zwischenräume (in Deutsch)
12.30-13.30 Pause
13.30-15.00 Workshops
15.00-16.00 Öffentliche Workshoppräsentationen

Inhalte

Marianne Guarino-Huet and Olivier Desvoignes, microsillons (Geneva)

Presentation: VOICES ON VOICE (in English)
Microsillons, after a short introduction of their basic working principles, will present three actual projects and explain how they use, among other practical and theoretical tools, the concept of ‘intervention‘. The three projects are articulating the notions of anti-racisms and feminism with the concept of ‘voice‘, central in feminist and critical pedagogies:
a project developed in collaboration with a group of migrant women and a Geneva theater. The final phase of the project took the shape of a serie of craftivist objects and interventions disseminated in the theatre and in the public space.
an ongoing collaboration with an art space in Montreuil, a popular surburb of Paris and a group of inhabitant from the neighbourhood.

Workshop: Voices on Voice (in English)
Leaning on the above-mentioned theoretical inputs, a discussion will be held among the workshop participants. Using texts excerpts as a primary material, remixing them and adding inputs from the workshop participants, a sound piece will be produced and presented in the University.

microsillons is a collective of artists/art educators created in 2005 in Geneva, who develops collaborative projects and conducts research about the links between art and critical pedagogies. The collective has collaborated with several cultural institutions and was notably responsible for gallery education projects at the Centre d’Art Contemporain Genève between 2007 and 2012. Its founding members Marianne Guarino-Huet and Olivier Desvoignes are currently directors of the Bilden-Künste-Gesellschaft program at the Zürcher Hochschule der Künste and PhD researchers at the Chelsea College of Art & Design, London.

Elke Smodics-Kuscher, trafo.K (Wien) (in Deutsch)

Präsentation: so kompliziert wie Situationen sind: Temporäre Eingriffe im Spannungsfeld zwischen Verunsicherung und Ermächtigung
Unsere Vermittlungsarbeit ist stets von Paradoxien begleitet, wenn dominanzkulturelle Diskurse im Fokus stehen und diese kritisch und dekonstruktiv verhandelt werden. Deshalb konfrontieren wir bestehende Allgemeinplätze mit der Frage „Warum ist das so?“. Das möchten wir im Zusammenhang dieser Tagung nun auch gerne machen. Anhand von zwei Projekten – „Flic Flac“, ein feministisches Unterrichtsmaterial für die Berufsschule einerseits und „Kämpfen, sticken und Rosen“ eine feministische Bustour mit Studierenden der Textilen Gestaltung andererseits – möchten wir über Komplikationen nachdenken, die sich ergeben, wenn Feminismus und Antirassismus in Bildungsprojekten zusammen gedacht werden. Wenn wir über Machtverhältnisse sprechen und diese aufbrechen, geschieht nicht nur Ermächtigung, sondern auch Verunsicherung. Und so gut und wichtig das ist, scheint es doch auch notwendig, sich über Konflikte und Formen der Verweigerung im Prozess auszutauschen. So berichten wir von Ansätzen und Strategien, Verhandlungen, Sackgassen und Formen des Scheiterns, aber auch von Momenten der Neuverhandlung bei denen manches doch ein Stück auf die Seite gerückt werden kann …

trafo.K ist ein Wiener Büro für Kunstvermittlung und kritische Wissensproduktion.
In unseren Projekten stellen wir Selbstverständlichkeiten in Frage und intervenieren -manchmal mit unerwarteten Strategien - in hegemoniale Verhältnisse.
Es geht uns darum, mediale und institutionelle Strukturen offen zu legen, Machtverhältnisse zu analysieren und zu kritisieren sowie Öffentlichkeiten für alternative Geschichten und Bilder herzustellen. Dabei interessiert uns, was geschehen kann, wenn unterschiedliche Wissensformen, künstlerische Strategien und gesellschaftsrelevante Themen zusammen kommen. In allen unseren Projekten lassen wir uns auf kollektive, emanzipatorische Prozesse ein, bei denen unterschiedliche Perspektiven zusammen kommen und neue Handlungsräume entstehen.

Elke Smodics-Kuscher ist Kunst- und Kulturvermittlerin mit den Schwerpunkten zeitgenössische Kunst und Feminismus. Ein zentrales Arbeitsfeld in den letzten 15 Jahren ist die Kulturvermittlungsarbeit mit Lehrlingen. Von 2010 bis 2012 war sie Galerieleiterin der IG Bildende Kunst. Sie ist Lehrbeauftragte an der Pädagogischen Hochschule und an der Akademie der bildenden Künste Wien mit dem Themenfeld feministische, transdisziplinäre Vermittlungsstrategien.

AntikultiAtelier

Präsentation und Workshop: in|ter|ve|nie|ren: eingreifen, sich einmischen, unterbrechen, dazwischenfunken, protestieren
Das AntikultiAtelier ist ein Raum für Kunst und politische Solidarität. Wir sind eine Gruppe von Menschen, die in der Schweiz leben und sich mit der Asyl- und Migrationspolitik, mit Rassismus und Repräsentation beschäftigen: viele von uns als Flüchtlinge, andere als MigrantInnen oder SchweizerInnen. In unserer Arbeit nehmen wir häufig bestehende Codes und Darstellungsformen auf, um in sie einzugreifen: etwa in einer Veränderung der Kartografie der Stadt Zürich oder indem wir der Form des „Reiseführers“ einen „Bleibeführer“ entgegenstellen. Künstlerische Intervention sehen wir aber auch verbunden mit der Intervention in die Kunst: in die Strukturen von Kunst- und Vermittlungsprojekten und die Rollen, die sie vorsehen. Das Leben und die politische Situation weist uns allen Rollen zu, die wir zu spielen haben, als Flüchtlinge und als Mehrheitsangehörige. Im Schachspiel dürfen die Bauern zum Beispiel nur einen Schritt vorwärts machen, während einige Figuren Personenfreizügigkeit genießen. Wir haben künstlerische Mittel gewählt, um in diese Rollen zu intervenieren, sie zu stören und zu unterbrechen.
Die Präsentation wird anhand von Projekten des AntikultiAteliers Ideen des Kollektivs zu Formen und Orten der Intervention und zu kollektiven Lern- und Arbeitsprozessen diskutieren. Im Workshop wollen wir Kartografie als Mittel der Intervention erproben.

Seit Februar 2010 entwickelt in Zürich eine Gruppe – zunächst unter dem Namen „Atelier“, nun als AntikultiAtelier – gemeinsam gestalterisch-politische Projekte. Der Fokus der Projekte ist eine kollektive Praxis zu entwickeln, die sich gegen ein (rassistisches, klassistisches, sexistisches) System richtet, das uns zu Ungleichen macht. Im AntikultiAtelier beteiligen sich Annatina Caprez, Zuher Kara Ahmad, Yonis Hassan Musse, Mesut Tufan, Saadet Irmak, Onur Karakoyun, Nistiman Erdede, Felipe Polania, Julia Huber, Nora Landkammer, John Njuguna, Vanessa Seliner, Ismail Balsak und weitere Mitwirkende.

Hansel Sato (Wien)

Präsentation: „heimlich, still und laut“
Vermittlungsstrategien im Bereich des Medienaktivismus zur Dekonstruktion von sozialen Codes
Was passiert, wenn die Wahrnehmung bestehenden Bild- und Zeichenvokabulars durch den Einsatz künstlerischer Strategien eine Verschiebung erfährt? Dieser Frage wird im Rahmen des Vortrages anhand verschiedener medienaktivistischer Projekte aus den Bereichen Kommunikationsguerilla, Selbstorganisation und künstlerische Intervention im öffentlichen Raum exemplarisch nachgegangen. Im Fokus der Präsentation steht die Öffnung von Vermittlungsräumen durch die subversive Methode der appropriation art, die Mechanismen der Konstruktion von sozialen Codes transparent macht. Im engeren Sinn spricht man von appropriation art, wenn KünstlerInnen sich strategisch die Werke anderer aneignen, wobei der Akt des Kopierens und das Resultat selbst als Kunst rezipiert werden können.
Die vorgestellten künstlerischen Interventionen inkludieren zwischenmenschliche Interaktionen und aktive Beteiligung des Publikums und versuchen, neue Öffnungen herzustellen, Barrieren abzubauen und eine kritische Reflexion mit Fokus auf die Dekonstruktion von rassisierenden und sexistischen Diskursen zu fördern. Im Vortrag wird außerdem der Prozess der Vermittlung der Projekte beschrieben, welcher zu einem gemeinsamen theoretischen Nachdenken oder auch praktischen Handeln „von Kunst aus“ führt. Es geht also nicht nur um reine Informationsübergabe von einem autorisierten Kulturproduzenten zu einem passiven Rezipienten, sondern um eine gemeinsame Produktion von Wissen. In diesem Sinn fungieren Kunstprojekte und ihre Vermittlung als Auslöser für eigene Gedankengänge und für entsprechende kreative bzw. kritische Aktivitäten.

Geboren in Peru, studierte Hansel Sato Malerei und Grafik in Lima. Vor zwölf Jahren kam Sato mit einem UNESCO-Aschenberg-Stipendium nach Österreich, wo er seinen Studienabschluss an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Franz Graf machte. Sato beschäftigt sich insbesondere mit den Themen Transkulturalität, Migration und die Konstruktion des post-migrantischen Subjekts in Europa. Zurzeit ist er Ko-Leiter des interdisziplinären Universitätslehrgangs für Höhere Lateinamerika Studien des Lateinamerika-Instituts in Wien.

Workshop trafo.K und Hansel Sato: Strategien für Zwischenräume
Der Workshop von trafo.K und Hansel Sato eröffnet ein Experimentierfeld an der Schnittstelle von kollaborativer Vermittlungspraxen und aktueller feministischer und antirassistischer Debatten. Als Untersuchungsgegenstand werden Regulierungen und Ordnungssysteme im öffentlichen Raum in den Blick genommen, um die damit einhergehende Wirkungsmacht normierter Verhältnisse zu analysieren. Auf Basis des recherchierten Materials werden in einem offenen Prozess gemeinsam intervenierende Strategien entwickelt und Handlungsräume für Dekonstruktionen ausgelotet.

„Künstlerische Interventionen“ ist eine Veranstaltungsreihe des Programmbereichs Contemporary Arts & Cultural Production (Schwerpunkt Wissenschaft & Kunst, Kooperation von Universität Salzburg und Mozarteum).

Ausstellung „Künstlerische Interventionen“: 6.-20.12.2013, Schloss Mirabell, Wolf-Dietrich-Halle, Eröffnung 5.12., 19 Uhr, Schloss Mirabell

Kooperationspartner: Stadt Salzburg (Frauenbüro, Kulturabteilung), Land Salzburg, Kulturabteilung

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